Überwältigender Schweigemarsch für das Kirchenasyl

Mit höchstens 100 Mitmarschierenden hat das Dekanat Kempten gerechnet. Fast 500 sind gekommen, um ihre Solidarität mit Pfarrer Gampert und der Kirchengmeinde Immenstadt zu zeigen. Nachdem jetzt erstmals in Bayern ein Strafbefehl eingegangen ist, schien es uns an der Zeit, ebenfalls ein Zeichen zu setzen - für das Kirchenasyl in Form eines Schweigemarsches in Kempten.

Fast fünfzig Talarträger und -Trägerinnen gingen voran und deutlich über 400 Gemeindeglieder, kirchliche Mitarbeitende, Freunde aus der Ökumene und andere engagierte Menschen schlossen sich ihnen an. Der Zug führte von der St.-Mang-Kirche, am Rathaus vorbei über die Kemptener Freitreppe Richtung Basilika St.-Lorenz. Dort drehte der Schweigemarsch um und kehrte wieder in die St.-Mang-Kirche zurück. Hier dankte Pfr. Ulrich Gampert allen Beteiligten und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass das Kirchenasyl straffrei bleiben könne bzw. wieder werde. Dieser Klärung dient ja auch der juristische Weg, der jetzt eingeschlagen wird.

Denn nicht die Höhe der Strafe ist das Problem, sondern, dass eine Gewissensentscheidung aus humanitären Gründen überhaupt bestraft wird, obwohl sehr korrekt mit allen Behörden zusammengearbeitet wurde. Es gibt eine klar definierte Meldekette, sobald ein Kirchenasyl beginnt. Polizei, Landratsämter, Kommune, Dekanat, Kirchenleitung, Ausländerbehörde - sie alle wissen, wo sich der Asylsuchende aufhält.

Und was wir außerdem noch sagen wollen:

Im Raum der evang.-luth. Kirche ist es immer die Entscheidung einer Kirchengemeinde, ob sie eine Person ins Kirchenasyl nimmt oder nicht. Es ist immer eine individuelle Entscheidung für konkrete Personen und aus einem konkreten Anlass, der zu einer solchen Entscheidung führt. Das ist auch der Grund, weshalb die Fallzahlen (etwa 30 zurzeit in Bayern, davon aktuell nur eins im DB Kempten) recht niedrig sind. Das Kirchenasyl stellt also keine Gefahr für unser Rechtssystem dar, die Lösung für das Flüchtlings- und Asylthema ist es aber natürlich auch nicht. Im Idealfall wäre es überflüssig, doch es zeigt sich immer wieder, dass es sinnvoll ist, humanitäre Aspekte bzw. Härtefälle noch einmal überprüfen zu lassen. Dafür bietet das Kirchenasyl die Zeit. Mehr leistet es letztlich nicht.